AlltagswunderLebenskünstler

„Die Liebe stand immer im Mittelpunkt“

By 11. September 2017 No Comments

Ines Würthenberger

Ines ist Philosophin und Traurednerin.

Ich habe sie vor einigen Jahren kennengelernt und seit dem beobachte ich voller Begeisterung, wie sie ihre Liebe für schöne Worte zu ihrem Beruf gemacht hat und ihr kleines Unternehmen mit viel Authentizität weiter entwickelt und wachsen lässt.

Ihre Geschichte zeigt sehr schön, wie gewisse Dinge, Prioritäten und Begebenheiten das Leben stetig begleiten. Auch wenn sich vieles um uns herum verändert, einige Konstanten bleiben. Wie ein Vogel, der immer wieder am Himmel auftaucht, als würde er mit dir fliegen.

Bei Ines wäre dieser Vogel wohl eine Schwalbe oder gar ein ganzer Schwarm...
Aber lest selbst...

Jede Liebe
verleiht Worte.

Ovid

Wie würdest du dein Leben bisher zusammenfassen?

Ich glaube man kann sagen, dass die Liebe für mich und mein Leben schon immer das wichtigste war.
Geboren wurde ich in Düsseldorf, meine Jugend habe ich aber in einem kleinen Dorf in Baden Württemberg, nahe der schweizerischen Grenze am Bodensee verbracht. Das war eine sehr idyllische Zeit für mich. Auf einer Geburtstagsfeier habe ich meine große Liebe das erste Mal gesehen. Ein paar Monate später trafen wir uns wieder, weil ich mir eine CD von ihm ausleihen wollte. Ich war damals 15 Jahre alt und er 18. Wir durchlebten die ganzen Wirren der Pubertät miteinander und obwohl er meine erste Liebe war und man da annehmen könnte, dass man „noch etwas anderes“ ausprobieren wollen könnte, war das bei mir nicht der Fall. Irgendwie wusste ich, dass es keinen Besseren für mich gibt.

Nachdem ich mein Wirtschaftsabitur gemacht habe, sind wir gemeinsam in meine Geburtsstadt Düsseldorf zurückgekehrt, wo ich dann Philosophie an der Heinrich Heine Universität studiert habe. 2015 habe ich mich schließlich selbstständig gemacht und arbeite seit dem als freie Traurednerin. Die Philosophie ist dabei die Grundlage meiner Trauungen. Sie bietet die Möglichkeit eine Hochzeit ohne konfessionellen Rahmen und ohne Ausgrenzung vom Glauben und dem Geschlecht durchzuführen. Die Trauung wird individuell auf die Geschichte des Brautpaars konzipiert und die Liebe steht im Mittelpunkt von jeder Zeremonie. Das ist Berufung für mich, nicht Beruf.

Was sind für dich Alltagswunder?

Jedes Erlebnis, dass mit Liebe gefüllt ist. Ein Lächeln auf dem Weg zur Arbeit ist gold wert. Ein nettes Gespräch beim Kaffeetrinken. Das sind für mich jedes Mal ein Wunder. Wenn Menschen frei und ungezwungen von der Liebe ihres Lebens erzählen, vergessen sie – und wenn es nur für ein Moment ist – alle Sorgen, jede Krankheit und können sich voller Freude und Zuversicht auf das stärkste Gefühl konzentrieren. Die Liebe.

Was war bisher dein größtes Wunder?

Der Heiratsantrag von meinem Mann. Für mich war schon am Beginn der Beziehung klar, dass ich ihn heiraten möchte. Er hat aber immer gesagt, dass er nie heiraten möchte. Zu meinem Schnapszahl-Geburtstag nach 7 Jahren Beziehung hat er mich völlig überwältigt. Er hat mich anlässlich meines Geburtstages abends auf den Rheinturm in Düsseldorf zu einem Drei-Gänge Menü eingeladen. Man muss dazu sagen, dass der Rheinturm eine ganz besondere Bedeutung für mich hat. Er war für mich seit der Kindheit ein Symbol für Licht. Wenn ich ihn nachts angeguckt habe, weil ich nicht schlafen konnte, wusste ich: Es geht weiter. Egal wie. Er hat mich sozusagen beschützt in meiner kindlichen Vorstellungskraft.
Nicht zu Letzt wegen seiner atemberaubenden Aussicht ein perfekter Ort für mich ganz persönlich zugeschnitten.

Ich ahnte von dem Antrag allerdings wirklich nichts. Er hat sich absolut nichts anmerken lassen. Er aß den ganzen Abend nicht besonders viel. Ich dachte ihm schmeckt das Essen dort nicht. Das Dessert (ein Sorbet) löffelte er allerdings mit 2 Happen weg. Sehr merkwürdig.
Als ich nach der Rechnung fragte, meinte er, er müsse mich zuerst etwas fragen. Dann ging er auf die Knie und holte eine kleine rote Schatulle aus seiner Anzugtasche. Er erzählte mir, wie sehr er mich liebt und dass er sich ein Leben ohne mich nicht vorstellen möchte. Und hat mich gebeten seine Frau zu werden. Ich konnte vor lauter Überraschung nicht mal antworten, sondern habe ihn mir gleich geschnappt und umarmt. Er musste noch einmal fragen, weil er ein klares JA hören wollte. Im siebten Himmel sind wir noch immer, auch wenn wir die Höhenmeter vom Rheinturm hinter uns gelassen haben.

Was bedeutet Kreativität für dich?

Kreativität hat für mein Leben schon immer eine besondere Rolle gespielt. Schon als Kind bin ich ständig mit Bunt- und Malstiften durch das Haus gerannt. Habe gemalt und gezeichnet, um in meine ganz persönliche Welt einzutauchen. Eine beruhigende Wirkung hat dieses Hobby für mich – noch heute zeichne ich gerne und kann dabei die Welt um mich herum vergessen. Es sind die Träumereien, die man auf einmal dann klar vor sich sieht und auf Papier bringt. Es sind Gefühle und Gedanken, die eine Gestalt annehmen. Ein magischer Prozess. Kreativität ist für mich ein Wunder. Ein Wunder, neue Dinge zu erschaffen. Diese Dinge unterliegen keinem Richtig oder Falsch. Es sind Dinge, Formen, Farben mit Bedeutung und sei es die persönliche Assoziation, die man mit Ihnen trifft. Bei dem kreativen Schreiben stellt man ebenfalls nicht bloß dar. Man beschreibt nicht nur, man füllt die Worte, die Satzgebilde, mit Bedeutung – man erweckt sie zum Leben. Man ergreift hierbei nicht nur die eigenen Emotionen, sondern man möchte die Emotionen der Teilhabenden aufgreifen, sie einfangen und zum Leben erwecken. Man möchte eine Gemeinschaft schaffen. Eine Gemeinschaft, die man manchmal nur im tiefsten Inneren spürt und die mit Hilfe der Worte und Gedanken an die Oberfläche geholt werden. Eine Entdeckungssuche beginnt, bei jedem kreativen Prozess, den ich vor mir habe. Egal, ob bei mir selbst, oder bei den Menschen, die an dieser Kreativität teilhaben möchten.

Du hast ein Tattoo an deinem rechten Arm. Verrätst du uns, was es bedeutet?

Natürlich. Meine zwei Schwalben am Arm – zuerst habe ich mir eine stechen lassen, weil sie für mich Freiheit symbolisiert – und diese Freiheit habe ich mir bewusst an eine Stelle setzen lassen, die jeder sehen kann. Aber weil man sagt „eine Schwalbe macht den Sommer nicht“ und mit der Verlobung von meinem Mann, kam die zweite dazu, weil ich nicht mehr alleine durch das Leben fliegen möchte.

Wie findest du Ideen, Inspirationen und den "roten Faden" für deine Arbeit?

Ich bin kein Mensch, der stundenlang an einem Fleck verharren kann. Das Leben ist für mich Bewegung, ist für mich Entwicklung. Ich liebe es draußen zu sitzen, am liebsten unter Bäumen und die im windtanzenden Blätter zu beobachten. Ich liebe es das Grass unter den Füßen zu spüren, während ich barfuß darüber laufe. Ich liebe es mir dabei Geschichten auszudenken. Ich liebe es aber auch die Geschichten meiner Brautpaare zu Papier zu bringen. Ich suche keine bewusste Inspiration. Ich versuche mich für sie zu öffnen, in dem ich aus der Alltagsroutine ausbreche – losziehe mich in ein Café setze (am liebsten in die Süße Erinnerung in Bilk) und 30 min an Nichts zu denken versuche. Ich suche die kleinen Oasen in Düsseldorf, an denen es verwunschen schön ist, wie im LA Dü. Hier verstecke mich in einer hinteren Ecke unter dem Blätterdach des Gartens und höre dem plätschern des Wassers zu. Die Grundlage, der rote Faden, bei all meinen Traureden – sind Emotionen. Gefühle und kognitive Prozesse in sich vereint. Ich frage mich oft, woher diese unerschöpfliche Quelle an Emotionen in mir herrührt. Warum, ich so oft im Schreibprozess ein oder mehrere Tränchen verdrücken muss. Von den Hochzeiten möchten wir an dieser Stelle gar nicht erst Reden 😉
Ich weiß nur, dass ich mich zu gerne in andere Menschen hineinversetze, dass ich gerne versuche das zu spüren, was sie gerade im tiefsten Inneren bewegt. Darum liebe ich den Austausch, das Gespräch, um dem möglichen Inneren der anderen immer ein Stückchen näher zu kommen. Ein sehr vertrauensvolles Verhältnis entsteht. Ich bin dankbar darum, um jeden Menschen, den ich kennenlernen darf, den ich begleiten kann und der mein Leben auf so wundervolle Weise bereichert.

Nur aus Liebe entstehen die
tiefsten Einsichten.

Friedrich Nietzsche

Wo finden wir dich?

Ich bin viel in der Landesbibliothek unterwegs – sie ist sozusagen mein zweites Büro: Der Duft der Bücher, die ruhige Arbeitsatmosphäre und die Verzweiflung, dass ein ganzes Leben für das Lesen all dieser Bücher nicht ausreichen wird…. Es ist wirklich schön dort.

Am Wochenende gehe ich gerne auf den Wochenmarkt am Carlsplatz – dort findet man wundervolle Gewürze, unglaublich viele süße Leckereien und frische Lebensmittel – eine tolle Atmosphäre. Ansonsten wird bei dem kleinsten Sonnenstrahl in der Altstadt ein Altbier getrunken oder es geht ab auf die Kasematten – das sind die Zelte am Rhein.

Virtuell findet man mich hier:

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Noch mehr Lebenskünstler, Alltagswunder und zauberhafte Momente:

In unserer Interviewreihe Alltagswunder dreht sich alles um die kleinen und großen Wunder des Alltags. Wir lassen Lebenskünstler unterschiedlichster „Art“ erzählen, was sie aus ihrem Leben und ihrer Begabung machen, was ihnen Freude bereitet und woran sie glauben. Mit diesen Portraits möchten wir an die magischen Momente erinnern, die einen grauen Tag plötzlich bunt erscheinen lassen, an die unendliche Kraft von Kreativität und der Macht der eigenen Gedanken, an Kindheitsträume und die großen Möglichkeiten, die in jedem von uns Zuhause sind. 
Glück wird mehr, wenn man ihm nachhängt, es weitererzählt und andere damit inspiriert. So hält man die Freude des Augenblicks für die Ewigkeit lebendig und trägt sie in die Welt. Auf dass sie sich vervielfältigt und in anderen weiterschwingt. Denn das Trocknen einer Träne, das Gefühl von neuem Mut und die wiederkehrende Zuversicht ist manches Mal nur ein Alltagswunder entfernt. 

Auch mitmachen und deine Alltagswunder erzählen? Hier entlang….

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